Besuch in einer alten chinesischen Apotheke in Nanjing – Andrea berichtet aus Ihrer Elternzeit

Andrea besucht eine chinesische Apotheke in Nanjing

Unsere Mitarbeiterin
Andrea Kirwel (in Elternzeit) berichtet

Liebe Apotheke,

die traditionelle chinesische Arzneitherapie ist eine der fünf Säulen der traditionellen Medizin, die für mich als Apothekerin einen besonderen Reiz ausübt. Sie ist genau das Feld, mit der sich chinesische Apotheken im Besonderen beschäftigen. Deshalb fand ich es besonders spannend, mal ein wenig in dieses Feld hineinschnuppern zu dürfen.

In Nanjing habe ich eine alte Apotheke gefunden, in der mir eine chinesische Apothekerin ausführlich Ihren Arbeitsplatz gezeigt hat. Sie erklärte mir, dass in der chinesischen Medizin über 600 Arzneikräuter, aber auch Mineralien oder Substanzen tierischen Ursprungs zum Einsatz kommen. Für jeden Patienten werden einzeln, nach Rezept eines TCM Arztes, Rezepturen hergestellt. Es kommen dabei meist bis zu 12 verschiedene Substanzen zusammen. Ein wenig hat mich ihre momentane Mischung an Teerezepturen bei uns in der Apotheke erinnert.

Die Herstellung der chinesischen Medikamente

Die Einnahme der Einzelsubstanzen kann für den Patienten jedoch recht unangenehm sein, da Sie Substanzen wie zum Beispiel Kohle enthalten. Aus diesem Grund erhält der Patient häufig ein Granulat oder eine Tablettenvariante, welches die Einnahme erleichtert. Wie die Apothekerin zwischen all den Gefäßen den Überblick behält, fand ich bemerkenswert.
Gerade da viele Arzneipflanzen gar nicht in ihrer ursprünglichen Form verwendet werden. Sie werden bearbeitet  (geröstet, gedünstet, getrocknet) um ihre Wirkung zu verstärken oder Nebenwirkungen zu beseitigen).
Dieses wird in der chinesischen Medizin als „Pao Zhi“ bezeichnet. Unterstützt werden die chinesischen Apotheker durch das chinesische Arzneibuch, welches viele Vorschriften liefert, oder bis zu 2000 Jahre alte Literaturquellen enthält.

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile einige Apotheken, die sich auf die Herstellung solcher Arzneien spezialisiert haben.

Auf www.tcm-apo.de findet man die offiziell gelisteten Apotheken.

Zwar gibt es mittlerweile viele „Selfmade“ Handbücher zu dem Thema, jedoch sind die verwendeten Bestandteile meist nicht ungefährlich. Sie können Pestizide enthalten oder mit Schwermetallen belastet sein. Die Herstellung sollte also sicherheitshalber Fachleuten überlassen werden.

mit einem Klick aufs Bild, seht ihr noch mehr Impressionen

Als Apotheker/in in China arbeiten 

Um in einer chinesischen Apotheke als Apothekerin zu arbeiten, muss man auch hier Pharmazie studieren. Die TCM wird an speziellen Universitäten als Masterstudiengang angeboten, der ungefähr drei Jahre dauert. Stolz hat mir die Mitarbeiten ihr Zertifikat gezeigt.

Die verschiedenen Anwendungsgebiete der chinesischen Medizin 

Zur traditionell chinesischen Medizin gehören weitere Felder wie z.B. die Akupunktur. Zu diesem Bereich zählt auch die Moxibustion, eine bestimmte Ernährungsweise. Auch Bewegungstherapien wie Qigong und Taiji und die manuelle Therapie, welche als Tuina bezeichnet wird, gehören zur TCM. Anhand einer Schautafel hat sie versucht, mir verschiedene Akupunkturpunkte und ihre Auswirkungen auf den Körper zu erklären, jedoch konnte ich mir bei der Vielzahl kaum etwas merken, daher seht Ihr alles besser auf den Fotos.

Unterschieden werden davon Therapiepunkte, die zur Moxa Therapie verwendet werden, auf denen kleine Mengen Beifußfasern verglimmt werden. Dies soll nach den chinesischen Lehren den Fluss des „Qi“ anregen.
In Deutschland ist mir diese Therapie ebenfalls schon begegnet. Hebammen versuchen manchmal mit Hilfe von Moxa Zigaretten am Ende der Schwangerschaft das Drehen des Babys von der Beckenendlage in die richtige Position zu erzielen.

Anschließend erzählte mir die Apothekerin noch etwas über die Geschichte der Apothekenkette, die 1734 in Suzhou gegründet wurde und ihren ersten Apotheker.

Dankbar für so viele Informationen und Eindrücke verabschiedete ich mich und ein Vorhaben für den weiteren Aufenthalt in China ist auf jeden Fall mehr über das breite Feld der traditionell chinesischen Medizin zu erfahren!

Apothekengrüße aus Nanjing Andrea Kirwel